Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, du wirst alt oder krank, und statt zu sterben, wirst du einfach wieder Kind. Für uns ist das Science-Fiction, für eine winzige Qualle im Meer ganz normal. Sie heißt Turritopsis dohrnii und trägt den Spitznamen „unsterbliche Qualle“.
Klein, durchsichtig, unscheinbar
Die Meduse, also die schwimmende Glockenform, misst nur etwa 4,5 Millimeter. Kleiner als dein Fingernagel. Durch die durchsichtige Glocke leuchtet ein knallroter Magen, am Rand hängen bis zu 90 weiße Tentakel. Beschrieben wurde die Art 1883, benannt nach Anton Dohrn, dem Gründer der Zoologischen Station in Neapel. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeer.
Zurück auf Anfang
Normalerweise läuft das Leben einer Qualle nur in eine Richtung: Aus einem festsitzenden Polypen knospen Medusen, die erwachsen werden, sich fortpflanzen und sterben. Turritopsis dohrnii kann diese Einbahnstraße umdrehen. Ist sie verletzt, hungert sie oder ist sie krank oder alt, verwandelt sie sich zurück in einen Polypen.
Möglich macht das die sogenannte Transdifferenzierung. Dabei wandeln sich bereits spezialisierte Zellen in ganz andere Zelltypen um. Aus dem neuen Polypen knospen später wieder Medusen, die genetisch identisch mit dem Ausgangstier sind. Theoretisch kann sich das endlos wiederholen.
Der japanische Forscher Shin Kubota hielt eine Kolonie im Labor, die sich innerhalb von 2 Jahren 11-mal „neu geboren“ hat.
Unsterblich? Nicht ganz
Bevor du neidisch wirst: Unverwundbar ist die Qualle nicht. In der Natur werden die meisten Tiere vermutlich gefressen oder sterben an Krankheiten, bevor sie den Reset-Knopf drücken können. Zu ihren Fressfeinden zählen andere Quallen, Seeanemonen, Thunfische, Haie und Meeresschildkröten. Biologisch unsterblich heißt also nur: Am Altern allein muss sie nicht sterben.
Genetisch identische Exemplare wurden in Meeren rund um die Welt gefunden. Vermutlich reisen sie im Ballastwasser von Frachtschiffen mit.
Ein Tier, das bei jeder Krise einfach wieder von vorn anfängt. Irgendwie beneidenswert.