Wie findest du diesen Fakt?
Das Spiel vom Kindergeburtstag hatte mal olympischen Status. Und zwar nicht als Showeinlage: Von 1900 bis 1920 war Tauziehen eine offizielle olympische Disziplin, mit Medaillen, Nationalteams und allem Drum und Dran.
Ziehen für Gold
Tauziehen lief damals als Teil der Leichtathletik. Insgesamt stand es bei sechs Spielen auf dem Programm: 1900, 1904, 1906, 1908, 1912 und 1920. Anfangs bestand ein Team aus fünf oder sechs Leuten, ab 1908 waren es acht.
Die Regeln waren simpel. Wer das andere Team rund sechs Fuß, also knapp zwei Meter, über die Linie zog, gewann. Schaffte das niemand, bekamen beide Seiten noch fünf Minuten extra. Danach gewann das Team, das am meisten Boden gutgemacht hatte.
Stiefel, Ersatzspieler und ein Duell zu zweit
So harmlos die Disziplin klingt, sie hatte ihre Skandale. 1904 trat das Siegerteam offiziell für den Milwaukee Athletic Club an, bestand aber laut Mental Floss aus eingekauften Leuten aus Chicago.
1908 in London protestierte das US-Team gegen die britischen Gegner, ein Team der Polizei aus Liverpool. Der Vorwurf: verbotene Stiefel mit Stollen. Die Briten boten sogar an, barfuß anzutreten. Die Amerikaner lehnten ab und zogen zurück.
1912 sprangen mehrere Länder ab, sodass am Ende nur Großbritannien gegen Schweden zog. Schweden gewann.
Drei Briten, Frederick Humphreys, Edwin Mills und James Shepherd, holten im olympischen Tauziehen jeweils drei Medaillen, darunter zwei goldene.
Das letzte Ziehen
1920 in Antwerpen war dann Schluss. Großbritannien gewann das letzte olympische Tauziehen vor den Niederlanden und Belgien. Laut Olympedia flog die Disziplin wegen der vielen Streitereien aus dem Programm, obwohl ausgerechnet 1920 alles friedlich ablief.
Ganz verschwunden ist der Sport aber nicht. Seit 1981 ist Tauziehen fester Bestandteil der World Games, und der internationale Verband zählt heute 76 Mitgliedsverbände.
Großbritannien steht übrigens bis heute an der Spitze der ewigen Tauzieh-Medaillenliste. Den Titel kann ihnen auch niemand mehr wegnehmen.