Wie findest du diesen Fakt?
Du spannst den Bizeps an, unter der Haut wölbt sich etwas, rundlich, und bewegt sich ein bisschen. Für die alten Römer sah das aus wie eine kleine Maus, die unter der Haut herumhuscht. Und genau daher hat der Muskel seinen Namen.
Die Maus im Oberarm
Das lateinische Wort „mus“ heißt Maus. Hängt man eine Verkleinerungsendung dran, wird daraus „musculus“, also „Mäuschen“. Und genau dieses Wort benutzten die Römer auch für Muskeln. Laut Merriam-Webster erinnerten sie vor allem Arm- und Beinmuskeln an Mäuse, Etymonline nennt besonders den Bizeps.
Warum eigentlich? Das DWDS, das große digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, nennt zwei mögliche Erklärungen: Entweder erinnerte das Zucken und Gleiten unter der Haut an eine laufende Maus. Oder die ovale, rundliche Form eines Muskels an den Körper eines kleinen Nagers. Vielleicht war es auch beides.
Nicht nur die Römer
Auf die Idee kamen auch andere. Im Altgriechischen stand laut Etymonline das Wort „mys“ sowohl für Maus als auch für Muskel. Und im Kornischen, einer keltischen Sprache aus Cornwall, hieß ein Muskel wörtlich „Maus des Beins“. Gleich mehrere Sprachen denken beim Anblick von Muskeln also an Nagetiere. Ziemlich schräg.
Ins Englische kam „muscle“ im 14. Jahrhundert. Im Deutschen ist „Muskel“ laut DWDS sogar erst seit dem frühen 18. Jahrhundert verbreitet, als gelehrtes Wort aus dem medizinischen Latein.
Auch die Miesmuschel hängt mit drin: Das englische Wort für sie, „mussel“, geht laut Etymonline ebenfalls auf „musculus“ zurück, also auf das kleine Mäuschen.
Von der Maus zur Macht
Im Englischen hat sich das Wort später noch weiterentwickelt. Seit dem 19. Jahrhundert steht „muscle“ auch für Kraft und Stärke, heute spricht man etwa von „political muscle“, also politischer Schlagkraft. Laut Etymonline tauchte 1969 sogar das „muscle car“ auf, das PS-starke Auto. Ganz schön viel Power für ein Wort, das mit einem kleinen Nagetier angefangen hat.
Wer im Gym Muskeln aufbaut, züchtet streng genommen also Mäuse.