Wie findest du diesen Fakt?
Du setzt ihn hundertfach am Tag, meistens ohne nachzudenken: den kleinen Punkt über dem i. Im Englischen hat dieses Pünktchen tatsächlich einen eigenen Namen. Es heißt „tittle“.
Ein Wort mit langer Geschichte
Laut Wikipedia bezeichnet „tittle“ den Punkt über dem kleinen i und dem kleinen j. Das Wort stammt vom lateinischen „titulus“ ab. Merriam-Webster belegt es schon seit dem 12. Jahrhundert, damals ganz allgemein für einen kleinen Punkt oder ein Zeichen über einem Buchstaben. Eine zweite Bedeutung: ein winziges Stück von etwas.
Berühmt wurde das Wort durch die King-James-Bibel. In Matthäus 5,18 heißt es dort, dass kein „jot“ und kein „tittle“ vom Gesetz vergehen werde. Gemeint ist: nicht das kleinste bisschen.
Und auf Deutsch? Da gibt es kein eigenes Fachwort, aber zwei schöne Begriffe. Der Duden kennt den i-Punkt und das i-Tüpfelchen. Letzteres benutzen wir meist im übertragenen Sinn, für den letzten Schliff, der etwas perfekt macht.
Warum das i überhaupt einen Punkt hat
Der Punkt ist kein Deko-Element, sondern eine Lesehilfe. In mittelalterlichen Handschriften, besonders in der gotischen Schrift, bestanden Buchstaben wie i, m, n und u aus lauter gleich aussehenden senkrechten Strichen, sogenannten Minimen. Ein Wort wie „minimum“ wurde so zu einem kaum lesbaren Lattenzaun.
Ein lateinischer Zungenbrecher aus dem 13. Jahrhundert, der mit „mimi numinum“ beginnt, treibt das auf die Spitze. Laut Wikipedia führte genau dieses Problem schließlich zum i mit Punkt und zu eigenen Buchstaben für j und v.
Das j war ursprünglich nur eine Variante des i. Erst im 16. Jahrhundert wurden die beiden laut Wikipedia klar unterschieden. Den Punkt hat das kleine j bis heute behalten.
Im Türkischen ist der Punkt übrigens kein Detail, sondern Pflicht: Dort sind i mit Punkt und ı ohne Punkt zwei verschiedene Buchstaben mit unterschiedlichem Klang. Ein vergessener tittle kann dort also ein Wort verändern.