Wie findest du diesen Fakt?
Ein Michelin-Stern ist für Köchinnen und Köche so etwas wie ein Oscar. Für einen Stern wird jahrelang geschuftet, für drei Sterne erst recht. Und wer vergibt die? Eine Firma, die Autoreifen verkauft. Kein Witz, das war von Anfang an der Plan.
Ein Heft voller Ausreden zum Losfahren
André und Édouard Michelin gründeten 1889 in Frankreich ihr Reifenunternehmen. Das Problem: Autos waren damals eine Seltenheit. Um 1900 gab es laut Michelin in ganz Frankreich weniger als 3000 Autos. Wenig Autos, wenig Reifen, wenig Umsatz.
Also drehten die Brüder den Spieß um. Statt nur Reifen anzubieten, wollten sie den Leuten Lust aufs Fahren machen. 1900 erschien der erste Guide Michelin, und rund 35.000 Exemplare wurden verschenkt. Drin standen Karten, Anleitungen zum Reifenwechseln, Werkstätten, Tankstellen und dazu Hotels und Restaurants. Die Rechnung war simpel: Wer mehr herumfährt, nutzt seine Reifen schneller ab und kauft neue. Natürlich am liebsten bei Michelin.
Von der Werkstattliste zum Sternehimmel
Die Restaurant-Tipps kamen so gut an, dass die Firma anonyme Testerinnen und Tester losschickte, die in Restaurants aßen und sie bewerteten. 1926 führte der Guide laut Michelin seinen ersten Stern ein. 1931 kam dann das System mit bis zu drei Sternen, das du heute kennst.
Laut Wikipedia wurden die Sterne in den 1930ern so definiert: ein Stern für ein sehr gutes Restaurant seiner Kategorie, zwei für eine Küche, die einen Umweg wert ist, und drei für eine außergewöhnliche Küche, die eine eigene Reise wert ist. Ein „Umweg“ und eine „eigene Reise“, also: mehr Kilometer. Ob gewollt oder nicht, für einen Reifenhersteller passt das verdächtig gut.
Gratis war gestern
Kostenlos blieb der Guide nicht. Anfang der 1920er-Jahre fing Michelin an, Geld dafür zu verlangen. Laut Archives Portal Europe war das ein Zeichen dafür, dass das Heft als immer wertvoller galt.
Die Legende zum Preis: André Michelin soll in einer Werkstatt gesehen haben, wie seine Gratis-Guides eine Werkbank stützten. Sein Fazit laut Michelin: „Der Mensch respektiert nur wirklich, wofür er bezahlt.“
Heute sind die Sterne der begehrteste Preis der Spitzenküche. Angefangen haben sie in einer Reifenwerbung, die man im Handschuhfach vergessen konnte.