Wie findest du diesen Fakt?
Mach die Augen zu, und du hörst eine Stimme „ba ba“ sagen. Mach sie auf, schau auf die Lippen, und plötzlich hörst du „da da“. Gleiche Tondatei, anderes Ergebnis. Willkommen beim McGurk-Effekt.
Ein Zufallsfund im Labor
Die Psychologen Harry McGurk und John MacDonald beschrieben den Effekt 1976 in der Fachzeitschrift Nature, in einem Artikel mit dem schönen Titel „Hearing lips and seeing voices“, also „Lippen hören und Stimmen sehen“. Laut Wikipedia stießen sie zufällig darauf, als sie untersuchten, wie Babys Sprache wahrnehmen. Ein Techniker sollte ein Video mit einer anderen Silbe nachvertonen. Beim Abspielen hörten beide einen dritten Laut, der weder auf der Tonspur noch auf den Lippen war.
Die klassische Version beschreiben der Illusions Index und Scientific American so: Im Video formt ein Mund „ga“, der Ton sagt „ba“, und typischerweise hörst du „da“. Dein Gehirn bekommt zwei Hinweise, die nicht zusammenpassen, und einigt sich still und leise auf einen Kompromiss.
Wissen hilft nicht
Jetzt kommt der unheimliche Teil. Scientific American betont, dass es nichts bringt, den Trick zu kennen. Du kannst genau wissen, was passiert, und hörst trotzdem „da“. Augen zu, und das echte „ba“ ist zurück. Augen auf, und es ist wieder weg.
Das verrät einiges darüber, wie Hören funktioniert. Sprache verarbeiten nicht nur deine Ohren. Dein Gehirn verrechnet den Ton mit dem, was es im Gesicht der sprechenden Person sieht, und wenn beides sich widerspricht, können die Augen gewinnen.
Ganz gleich stark wirkt der Effekt allerdings nicht bei allen. Laut dem Wikipedia-Überblick über die Forschung unterscheiden sich Menschen darin, wie stark sie Ton und Bild zusammenführen. Studien fanden etwa bei japanischen und chinesischen Hörern einen schwächeren Effekt als bei englischsprachigen.
Bonusfakt: Richtig verschwindet der Effekt erst, wenn dein Blick mindestens 60 Grad vom Mund der sprechenden Person abweicht.
Zuhören tun deine Ohren. Mitreden, was du hörst, dürfen aber auch deine Augen.