Und ja, das stimmt wirklich.

Wissenschaft
WTF?!
Wissenschaft Fakt #030

Nein, Glas ist keine Flüssigkeit, die langsam nach unten fließt

Altes Fensterglas ist nicht nach unten geflossen. Es war von Anfang an ungleichmäßig, und die dicke Seite kam meist nach unten.

1. September 2026 · 2 Min. Lesezeit · 3 Quellen

Dein Urteil

Wie findest du diesen Fakt?

Vielleicht hast du es auch schon mal gehört, vielleicht sogar in der Schule: Glas sei eigentlich eine extrem zähe Flüssigkeit. Der Beweis? Uralte Kirchenfenster sind unten dicker als oben, weil das Glas über Jahrhunderte nach unten gesackt ist. Klingt logisch. Ist aber falsch.

Was wirklich hinter den dicken Scheiben steckt

Richtig ist: Manche alten Fensterscheiben sind tatsächlich unten dicker. Das liegt aber an ihrer Herstellung. Früher konnte man schlicht keine perfekt gleichmäßigen Scheiben produzieren. Die Glasmacher fertigten das Glas von Hand, und das Ergebnis hatte unebene Oberflächen und schwankende Dicken.

Wer so eine Scheibe einbaute, setzte laut Scientific American die dickere Seite meistens nach unten. Das wirkte stabiler. Jahrhunderte später sah es dann so aus, als wäre das Glas geschmolzen.

Wirklich glatte, gleichmäßig dicke Scheiben gibt es erst seit dem Floatglas-Verfahren, das laut Wikipedia ab den 1960er-Jahren breit verfügbar wurde.

Wie schnell fließt Glas denn nun?

Praktisch gar nicht. Eine Studie von 2017 untersuchte mittelalterliches Glas aus der Westminster Abbey in London, datiert auf das Jahr 1268. Ergebnis laut Wikipedia: Bei Raumtemperatur fließt solches Glas höchstens etwa 1 Nanometer pro Milliarde Jahre. Das ist nicht messbar, nicht sichtbar, nicht relevant.

Scientific American bringt es noch drastischer auf den Punkt: Damit Kirchenglas bei Raumtemperatur so aussieht, als wäre es geschmolzen, würde es länger dauern, als das Universum existiert.

Fest, aber ohne Ordnung

Was ist Glas dann? Fachleute nennen es einen amorphen Festkörper. In einem Kristall, etwa Salz oder Eis, sind die Atome in einem regelmäßigen Gitter angeordnet. Im Glas fehlt diese Fernordnung. Die Atome sitzen kreuz und quer, ähnlich wie in einer Flüssigkeit, bewegen sich aber nicht mehr vom Fleck.

Uralte Glasgefäße aus dem alten Ägypten zeigen laut Scientific American keinerlei Durchhängen, obwohl sie noch viel älter sind als jedes Kirchenfenster.

Glas ist also kein Honig in Zeitlupe. Es ist einfach ein Festkörper mit sehr unordentlichen Atomen.

Die Beweise

  1. 1Wikipedia: Glass
  2. 2Scientific American: Fact or Fiction?: Glass Is a (Supercooled) Liquid
  3. 3DoITPoMS, University of Cambridge: Do Cathedral Glasses Flow?

Wie WTF ist das?

Zieh den Regler und sag uns, wie sehr dich der Fakt umhaut.

5

🎃 Der goldene Kürbis! Hier ist dein geheimer Halloween-Fakt:

Die ersten Kürbislaternen waren Rüben. In Irland und anderen keltischen Gegenden schnitzten Menschen im 19. und frühen 20. Jahrhundert Fratzen in Rüben, manchmal auch in Kartoffeln oder Rote Bete, und stellten eine Kerze hinein. Das sollte den ruhelosen Geist „Stingy Jack“ fernhalten, der weder in den Himmel noch in die Hölle durfte. Im irischen Nationalmuseum in County Mayo liegt bis heute der Gipsabguss einer geschnitzten Rübe aus Donegal mit einem „verkniffenen, wütenden Gesicht“.

Quelle: Smithsonian Magazine