Wie findest du diesen Fakt?
Du hättest gern mehr Stunden am Tag? Dann bist du nur etwa 1,4 Milliarden Jahre zu spät geboren. Damals war es genau andersrum: Ein Tag auf der Erde dauerte nur gut 18 Stunden, laut Studie etwa 18,7. Schuld daran ist der Mond.
Der Mond war näher dran
Die Zahl stammt aus einer Studie von Stephen Meyers (University of Wisconsin–Madison) und Alberto Malinverno (Columbia University), erschienen 2018 in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Ihr Ergebnis: Vor 1,4 Milliarden Jahren war der Mond nur etwa 341.000 Kilometer von der Erde entfernt. Heute sind es im Schnitt rund 385.000 Kilometer.
Laut den Forschern lag der kürzere Tag zumindest teilweise daran, dass der Mond näher war und die Drehung der Erde beeinflusste. Meyers vergleicht das mit einer Eiskunstläuferin bei der Pirouette: Streckt sie die Arme aus, dreht sie sich langsamer. Der Mond ist sozusagen der Arm der Erde, und der wandert seit Ewigkeiten nach außen.
Uhren aus Stein
Wie misst man einen Tag, der vor über einer Milliarde Jahren vorbei war? Mit Gestein. Die Erde schwankt in ihrer Bahn und Achsneigung in regelmäßigen Zyklen, den sogenannten Milanković-Zyklen. Die steuern, wie das Sonnenlicht auf der Erde verteilt wird, und hinterlassen Muster in Gesteinsschichten. Das Team hat diese Muster statistisch ausgewertet, unter anderem in der 1,4 Milliarden Jahre alten Xiamaling-Formation in Nordchina. Daraus ließen sich Tageslänge und Mondabstand von damals zurückrechnen.
Er haut immer noch ab
Der Mond ist nicht fertig mit Weglaufen. Laut NASA wächst der Abstand zwischen Erde und Mond um etwa 3,8 Zentimeter pro Jahr. Das liegt an den Gezeiten: Die Anziehung zwischen den Flutbergen der Erde und dem Mond bremst die Erddrehung und zieht den Mond gleichzeitig auf seiner Bahn nach vorn. Die Erde wird langsamer, der Mond driftet nach außen. Deshalb werden auch unsere Tage weiterhin minimal länger.
Gemessen wird der Abstand mit Lasern: Teleskope in New Mexico, Frankreich, Italien und Deutschland schießen Laserpulse auf Spiegel, die Astronauten von Apollo 11, 14 und 15 auf dem Mond aufgestellt haben.
Dein Wecker klingelt also jeden Morgen in einem Tag, der ein winziges Stück länger ist als je zuvor. Ausschlafen wird trotzdem nicht leichter.