Wie findest du diesen Fakt?
Ein kalter Windstoß, ein Schreckmoment, Fingernägel, die über eine Tafel kratzen: Plötzlich stehen dir die Härchen auf den Armen zu Berge. Dein Körper tut dabei etwas, das eigentlich für ein Fell gedacht ist. Und Fell hast du keins.
Was da in der Haut passiert
An jedem Haarfollikel sitzt ein winziger Muskel, der Haarbalgmuskel (Musculus arrector pili). Wird es kalt oder wirst du aufgeregt, schickt das sympathische Nervensystem, also das System für Kampf- oder Fluchtreaktionen, ein Signal. Die Muskeln ziehen sich zusammen, die Haare richten sich auf, und rund um jedes Haar entsteht eine kleine Beule.
Bei Tieren mit dichtem Fell ist das richtig nützlich. Aufgestellte Haare halten eine Luftschicht fest, die isoliert. Außerdem wirkt das Tier größer und damit bedrohlicher. Stachelschweine stellen bei Gefahr ihre Stacheln auf. Bei uns Menschen steht dagegen nur ein bisschen Flaum hoch. Wärmer wird uns davon kaum.
Ein Überbleibsel, oder doch nicht?
Deshalb gilt die Gänsehaut beim Menschen vielen als Überbleibsel, als Reflex aus einer Zeit, in der er noch etwas gebracht hat. Schon Charles Darwin hat sich laut Harvard Gazette über die Gänsehaut Gedanken gemacht.
Eine Studie von 2020 bringt aber eine neue Wendung. Forscher um Ya-Chieh Hsu von der Harvard University fanden heraus, dass der Nerv, der bei Kälte die Gänsehaut auslöst, gleichzeitig Stammzellen im Haarfollikel aktiviert. Die sorgen langfristig für neues Haarwachstum. Untersucht wurde das allerdings an Mäusen, veröffentlicht im Fachjournal Cell. Die Gänsehaut wäre damit nicht nur ein kurzer Reflex, sondern Teil eines Systems, das die Haut an die Umgebung anpasst.
Nicht jede Sprache denkt dabei an Gänse: Im Französischen und Spanischen ist es Hühnerhaut, im Hebräischen eine Ente, und im Russischen und Ukrainischen sind es krabbelnde Ameisen.
Fun Fact zum Schluss: Wer glaubt, Gänsehaut zu haben, hat sie laut Wikipedia nicht immer wirklich. Das Gefühl und die messbare Reaktion der Haut passen nicht zwingend zusammen. Dein Körper hat also gleich zwei Geheimnisse: Er reagiert mit einem Fell-Reflex ohne Fell und spürt manchmal Gänsehaut, die gar nicht da ist.