Wie findest du diesen Fakt?
Wenn jemand aus Leipzig oder Rostock „einen halben Broiler“ bestellt, guckt man in Köln schon mal ratlos. Dabei ist ausgerechnet dieses typisch ostdeutsche Wort ein Anglizismus: „Broiler“ kommt vom englischen Verb „to broil“.
Vom Grillrost ins Wörterbuch
„To broil“ heißt so viel wie auf dem Rost braten oder grillen. Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) führt das Wort zurück auf das altfranzösische „brûler“, also brennen. Ein Broiler ist damit ganz wörtlich ein Huhn zum Grillen.
Der Duden kennt zwei Bedeutungen. Regional ist ein Broiler ein Brathähnchen. In der Fachsprache ist es ein Hähnchen, das zur Mast bestimmt ist. Das DWDS markiert beide Bedeutungen mit „oft DDR“ und ordnet sie dem Nordosten und der Mitte Ostdeutschlands zu. In Gebrauch ist das Wort dort laut DWDS seit etwa 1960.
Englisch in der DDR?
Das klingt erst mal paradox, denn bei anderen Imbiss-Klassikern ging die DDR einen anderen Weg. Laut Zeitklicks wurde aus dem Hot Dog zum Beispiel die „Ketwurst“ und aus dem Hamburger die „Grilletta“. Beim Hähnchen blieb es dagegen beim englischen Begriff. Besonders saftige, knusprig gebratene Hähnchen hießen sogar „Goldbroiler“.
„Ketwurst“ ist eine Wortschöpfung aus Ketchup und Wurst. Laut Zeitklicks war die Wurst darin dicker als beim Hot Dog.
Im Englischen gibt es „broiler“ übrigens schon seit dem 14. Jahrhundert. Laut Merriam-Webster ist damit unter anderem ein junges, kleines Hähnchen zum Grillen gemeint. In Süddeutschland und Österreich sagt man dagegen „Hendl“ oder „Backhendl“, und sonst meist „Brathähnchen“ oder „Grillhähnchen“. Für ein und dasselbe Essen hat Deutschland also gleich mehrere Wörter, und eines davon ist englisch.
Wer „Broiler“ sagt, spricht also ein kleines bisschen Englisch, ob er will oder nicht.